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Bericht Swiss Jura Marathon

Von Michael Irrgang

Der Swiss Jura Marathon ist ein Mehrtageslauf und führte in der Zeit vom 6. bis zum 12. Juli von Genf nach Basel durch das wunderschöne Juragebirge. In den 7 Etappen galt es insgesamt 350 km sowie 11.000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg zu bewältigen. Es ist nach Ansicht vieler Experten Europas schwerster Berglauf, denn die Anstrengungen einer Etappe, insbesondere die Belastungen für Bänder, Gelenke und die Muskulatur lassen sich nicht über Nacht regenerieren. Insbesondere die steilen Gefällstücke, die morastigen Matschwiesen, glitschte Passagen, Stein- und Wurzelwege sowie die Unwägbarkeiten des Wetters hinterlassen nachhaltige Verletzungspotentiale.

Am Sonntag versammelten sich noch 61 Männer und 4 Frauen aus ganz Europa am Start direkt am Genfer See zur ersten Etappe. In Basel kamen davon lediglich 30 Männer und 1 Frau an, die anderen mussten aufgrund von Verletzungen, Erschöpfung oder weil sie die engen Zeitlimite nicht schafften, aufgeben, denn, wie Urs Schüppbach, der Hauptorganisator betonte, sei der Lauf keine Spaß- und Wanderveranstaltung, sondern ein knallharter Wettkampf!

Der erste Tag sollte sonnig werden, entsprechend leicht war ich angezogen und war einer Empfehlung gefolgt mit Straßenschuhen zu laufen. Nach einer Stunde fing es allerdings zu regnen an und die lehmigen Pfade wurden zunehmend rutschiger. Auf dem einzigen Berg, den es zu überwinden gab (etwa 1300 Höhenmeter rauf und 750 runter), war es lausig kalt. Ich wurde schließlich 10, hatte mir aber die Bänder im rechten Fuß leicht gedehnt. Die nächsten Tage wurde das Wetter noch schlechter. Es regnete immer wieder, auf den Bergen war es windig und kalt; am höchsten Punkt der Tour wurden 4 Grad gemessen bei Schneeregen. Die Wege führten nur selten über Asphalt oder befestigte Waldwege, meist ging es über Trampelpfade durch den Wald, teilweise musste man auch über Wurzeln und Steine klettern, mit Unterstützung der Hände Felsen erklimmen oder über Wiesen, die man sich mit zahlreichen Vierbeinern teilen musste, laufen. Dabei waren manche "Wege" so aufgeweicht, dass man bis zum Knöchel im Matsch stecken blieb. Im Ziel gab es Bilder von total erschöpften, völlig verdreckten Läuferinnen und Läufer, die sich darin überboten, wie oft sie die Schuhe verloren oder ausgerutscht und gestürzt sein. Auch hier war ich mit 1/1 im vorderen Mittelfeld platziert! Im Ziel wurden die Schuhe erst mit dem Hochdruckreiniger gereinigt, dann unter dem Fön getrocknet, bevor sie nach einem Tag Regeneration wieder benutzt wurden. In diesen Tagen war der Spaßfaktor begrenzt und es gab täglich zahlreiche Ausfälle zu beklagen. Aber die Moral in der Gruppe war hoch: man half sich gegenseitig, baute sich auf und munkelte, es könnte doch noch viel schlimmer sein. Mein dicker Fuß verursachte mir nur zeitweise Schmerzen, wenn ich, wie leider ziemlich oft, den Fuß schräg aufsetzen musste und bei steilen Bergabpassagen, an denen das Fußgelenk stark belastet wurde.
Aufgrund von Ausfällen und Verletzungen musste ich mich gar nicht steigern, um mich in der Tages- und Gesamtwertung zu steigern! Nach dem 4. Tag wurde zwar das Wetter besser und die Strecken einfacher, aber mein Fuß entzündete sich, sodass mein Spaß beim Laufen auch deutlich abnahm. Jetzt hieß es nur noch "Basel erreichen", wie bei den meisten auch, denn fast alle hatten irgendwelche Probleme. Der 6. Tag war dann der schlimmste, nachdem ich recht früh einige Male leicht umgeknickt bin. Dafür gab es Sonne satt und schöne Aussichten. Am letzten Tag war aufgrund gut belaufbarer Wege mit viel Asphalt dann die einfachste Etappe, es war sehr warm, im Ziel lockte ein leckeres Buffet und die große Siegerehrung. Das waren "meine Bedingungen"! Während ich am Tage zuvor "nur" 13. wurde und viel Zeit auf meine Verfolger im Gesamtklassement verlor, konnte ich trotz des dicken Fußes schmerzfrei laufen, den 4. Platz in der Tageswertung erzielen und den 7. Platz in der Gesamtwertung verteidigen!

Der Zieleinlauf am Münsterplatz mitten in Basel war ein gigantisches Gefühl. Geschafft! Durchgebissen! Manche schrien vor Freude, andere weinten, ich freute mich eher still und setzte mich in den Brunnen, um die Füße zu kühlen und freute mich auf das Essen und dass ich abends wieder bei meiner Familie sein konnte.

Als Fazit bleibt, dass es sich um einen tollen Lauf handelt, der durch eine einzigartige Landschaft führt. Wirklich gut organisiert und sehr international (Platz 1 geht nach Ungarn, die Plätze 2, 3, 7, und 9 nach Deutschland; Platz 4 nach Spanien, Platz 5 und 6 bleiben in der Schweiz, 8. wurde ein Däne, 10 ein Franzose, auf Platz 13. folgt der erste Italiener und auf Platz 17. der erste Nierderländer). Ich habe gemerkt, dass ich im Gegensatz zu vielen anderen Teilnehmern, keine Bergziege bin und meine Füße den Asphalt mehr als alle anderen Untergründe lieben. Ich bin wirklich stolz, diesen Lauf beendet zu haben und kann Leuten, die ausreichend trainiert sind, diesen Lauf nur empfehlen, werde selbst aber in den nächsten Jahren sicher nicht noch einmal teilnehmen.